Thema Familienauto
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Ole Wintermann: Interview Nr. 7 – Globaler Wandel und Familienautos?

ole-wintermannOle gehört zu den klügsten Menschen die ich kenne. Seine Arbeit dreht sich um Digitalisierung, die Zukunft im Allgemeinen und wie wir zukünftig arbeiten werden im Speziellen, Smart Country – also das digitale Leben in der Provinz, den Klimawandel, digitale Menschenrechte und und und. Einen Teil dieser Arbeit leistet er für die Bertelsmann Stiftung, einen großen Teil für sich selbst. Leider ist er viel zu viel unterwegs, um uns regelmäßig auszutauschen. Aber wenn wir es endlich schaffen, dann freue ich mich immer wieder etwas neues zu lernen und seine Ansichten zu hören. Die ich mit Fug und Recht als vordenkerisch bezeichnen würde. Besonders was Auto fahren und Mobilität angeht. Oles Perspektive erinnert mich ein bisschen an die von ben_ die Ihr hier auch bereits lesen könnt.

1. Was macht ein Familienauto für Dich aus und warum?

Ich glaube, dass die Erfindung der Kategorie eines Familien-Autos ein Marketing-Gag oder -Clou war, um teurere Autos besser verkaufen zu können. Die für mich wichtigen Kennzeichen der Alltagstauglichkeit, Räumlichkeit, Praktikabilität und Variabilität gelten eigentlich auch für andere Autos. Ich verstehe immer nicht (was an meiner Körpergröße liegen mag), wie sich ältere Männer in kleine Audi- oder BMW-Flundern hineinlegen können. Vielleicht meinen sie, sie würden dadurch noch viril wirken.

2. Denk mal an Deine Kindheit zurück: Was waren damals typische Familienautos? Was hat sich seitdem verändert?

Da ich altersmäßig hier sicher nach oben ausbreche (an die 50), erinnere ich mich an Zeiten, in denen es einfach nur geräumige und nicht geräumige Autos gab. Kategorien wie Van und SUV waren damals weit weg. Familien-Auto war jedes Auto, in dem hinten 2 Kinder Platz hatten. Insgesamt wurde seitdem (wenngleich sehr, sehr langsam) mehr auf die Nutzerinteressen geachtet. Nach wie vor betrachte ich aber Autos als Ingenieurs-Konzept, das mit Alltagsanforderungen viel zu selten etwas zu tun hat.

3. Was waren die Familienautos Deiner Eltern in Deiner Kindheit?

Da es keine solche Kategorie gab, gab es keine Familien-Autos. Auch ein Käfer konnte ein Familien-Auto sein.

4. Und an welche Geschichten aus Deiner Kindheit die sich im oder ums Familienauto abgespielt haben, kannst Du Dich noch erinnern?

Wir sind einmal in den 1970ern mit dem W 123er Mercedes menier Eltern nach Spanien gefahren. Mit 70 (oder waren es 75) PS über die Pyrenäen, der Kofferraum vollgepackt mit Essensachen von ALDI, ohne Klimaanlage an der Sierra Nevada vorbei und dabei Another Brick in the Wall von Pink Floyd hörend. Das war abenteuerlich.

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5. Wie wichtig ist Dir ein Auto überhaupt?

Autos sind mir komplett egal. Es dient allein der Fortbewegung von A nach B. Ich kann mir kein dümmeres (im Sinne von smart/digital) Konsumprodukt, das gleichzeitig so viel Geld verschlingt, vorstellen.

6. Style oder Funktion – was ist Dir wichtiger?

Funktion.

7. Kombi? Kompakter? Van mit Schiebetür Was fährst Du selber als Familienauto? Wie zufrieden bist Du damit?

Wir fahren einen Yeti in der absoluten Sparversion. Da er die oben genannten Kennzeichen aufweist, sind wir sehr zufrieden mit dem Auto. Wir können ihn definitiv als für eine Familie geeignetes Autos (Re-Import, Weiss, 74kw…) empfehlen.

8. Sparsam oder Fahrspaß – was ist Dein Fahrstil? Vermisst Du mit der Familienkutsche etwas beim Autofahren?

Ich versuche zumeist, zurückhaltend zu fahren und mich aus stressigen Situationen heraus zu halten. Der „Welcher-ist-am-längsten-Wettbewerb“ speziell beim männlichen Kfz-Fahren nervt mich nur. Wer mit 50 Jahren immer noch danach handelt, hat die Kleinkindphase nicht überwunden und gefährdet andere im Straßenverkehr.

9. Wieviel ist Dir ein Auto wert?

Mehr als 7 durchschnittliche MacBooks sollten es nicht sein. Wieso MacBooks? Weil man mit diesen im übertragenen Sinne weiter kommt.

10. Familienauto-Features: Was ist ein MUSS und was würdest Du Dir zukünftig wünschen?

Mir wäre familienfreundlicher Straßenverkehr wichtig. Daher bin ich ein Fan von Obergrenzen für die PS-Zahl und die mögliche Maximalgeschwindigkeit. Mehr als 130 km/h muss kein Auto fahren. Wir sprechen sehr viel über HateSpeech im Netz. Warum sprechen wir nicht über übergriffiges und aggressives Verhalten im Straßenverkehr. Offline kann damit sehr viel mehr Schaden angerichtet werden als online.

Fragen oder Ergänzungen? Hau's raus!